Interview mit Sybille und Karl Klefisch am 31.12.2025, langjährigen Mitgliedern des TC Freiheit
Herr Klefisch, auf Ihrem Klingelschild steht: „Klefisch – letzter Grafiker vor der Autobahn“. Aber Sie sind ja nicht nur das, sondern Sie sind auch der einzige Grafiker aus Düsseldorf, dessen Werk im Museum of Modern Art (MoMa) in New York ausgestellt ist. Sie sind Schöpfer des ikonischen Plattencovers der LP Mensch-Maschine der Düsseldorfer Band Kraftwerk, die ganz wesentlichen Einfluss auf die Entwicklung der Musikmoderne weltweit hatte. Ihr Cover aber ist nicht minder visionär. Sie sind mittlerweile 89 Jahre alt und leben schon Ihr ganzes Leben in der Siedlung Freiheit. Frau Klefisch, Sie sind sogar in diesem Haus geboren. Haben Sie irgendwann in Ihrem bewegten Leben nicht einmal den Wunsch verspürt, woanders hinzuziehen?
Nein, wirklich nicht. Wir wären hier nie weggegangen. Das ist doch unsere Heimat hier. Frau Klefisch: Mein Großvater ist einer der ersten Genossen der Wohnungsbaugenossenschaft gewesen, welche die Siedlung Freiheit in den 20 ´er Jahren gegründet hat. Er war Schreinermeister bei der DÜWAG und hatte 14 Kinder. Und weggegangen wären wir nie. Es hat doch so viel Lebensqualität hier mit dem angrenzenden Eller Forst und dem Unterbacher See. All diejenigen, die später hierhergezogen sind, sind sehr zu beglückwünschen.
Wesentlich mit der Siedlung Freiheit verbunden ist auch der Tennisclub Freiheit, welcher im Jahre 1956 von den Eheleuten Wicke (wohnhaft damals in der Eichkatzstr.) gegründet wurde.
Ja, Lotte Wicke war damals Landtagsabgeordnete. Alfred und Lotte Wicke verfolgten mit der Gründung des Vereins vor allem auch das Ziel, die Kinder und Jugendlichen, die in der Umgebung wohnten und die hauptsächlich aus Arbeiterfamilien stammten, von der Straße zu holen und ihnen die Möglichkeit zu geben, sich sportlich zu betätigen. In den Jahren nach dem Krieg gab es sonst auch wenig Möglichkeiten der Jugendförderung.
Tennis war damals ein Sport der Bürgerlichen.
Herr Klefisch: Ja, ich habe damals als junger Mann von dieser Initiative sehr profitiert. Auf meinem Mitgliederausweis von damals stand: „Dieser Tennisclub wurde gegründet, um der Jugend der arbeitenden Bevölkerung den Tennissport zu ermöglichen.“
Ausgewählt wurden die Kinder und Jugendlichen nach Leistung. Sie wurden gesichtet und es wurde ihnen dann ein finanziell gefördertes Training gewährt. Jedes Training wurde damals mit 5 Mark pro Saison unterstützt. Trainer waren seinerzeit u.a. der langjährig für den Rochus-Club tätige Profitrainer Detlev Irmler und Günter Winn .
Wenn wir zu Spielen im Rochus-Club kamen, dann wurden wir schon etwas belächelt. Diese Art Arbeitertennisclub kannte man damals so nicht in Düsseldorf und auch der Name „Freiheit“ war immer wieder Anlass für spöttische Nachfragen. Dabei ist das doch der Name der Siedlung. Da habe ich einfach gesagt: „Wir tragen keine roten Socken, wir tragen weiße Socken wie Ihr.“
Sie selbst, Herr Klefisch, waren damals auch ein richtig guter Tennisspieler. Frau Klefisch: Er war mehrfacher Clubmeister und Stadtmeister. Und auch Ihr Sohn, Thomas Klefisch, ebenfalls ein prominenter Grafiker, war in seiner Vereinszeit richtig gut.
Ja – er spielt auch immer noch in seinem neuen Wohnort und ist erfolgreich in der Senioren-Bundesliga. Und es gab übrigens noch einen anderen richtigen Überflieger und das war Horst Maluck. Er war 10 Jahre hintereinander Clubmeister und prägte die sportlichen Geschicke des Vereins als Sportwart lange Jahre lang.
Wenn Sie zurückblicken in Ihre lange Zeit der Zugehörigkeit zum TCF, was verbinden Sie mit dem Verein?
Der Verein ist für uns ebenso wie die Siedlung Freiheit Heimat gewesen.
Frau Klefisch: Nun können wir zwar schon lange nicht mehr aktiv spielen, es gab aber viele Jahre, in denen sich unser Familien- und Freundesleben wesentlich auf der Tennisanlage abspielte. Ich stand mindestens dreimal die Woche ab 15 Uhr auf dem Platz, nachdem ich den Haushalt fertig hatte. Und jede Woche gab es eine Feier. Die Kinder sind sozusagen auf der Anlage großgeworden. Wir hatten eigentlich gar kein Zuhause, wir waren ja nur im Club. Das haben nicht nur wir so gemacht, sondern alle um uns herum.
Ach, und wir haben auch viele schöne Sondersachen gemacht. Zum Beispiel haben wir ein Pflaumenfest gefeiert. Als das Clubhaus gebaut wurde, musste leider ein alter Pflaumenbaum gefällt werden. Dafür haben die Mitglieder dann einen neuen Pflaumenbaum gesetzt und zu Ehren der Pflaume ein Pflaumenfest gefeiert. Dafür wurden Pflaumenmarmeladen gekocht, Pflaumenschnaps gebrannt und Pflaumenkuchen gebacken.
Der Club ist so gesehen immer auch Heimat, das ist auch heute noch so.
Ein wesentlicher Meilenstein in der Geschichte des TCF ist die Errichtung des Clubhauses, Sie haben es gerade genannt. Das Clubhaus ist von den damaligen Mitgliedern gemeinsam entworfen und errichtet worden.
Oh ja, der Karl hatte die Bauleitung übernommen. Karl Klefisch: Stimmt. Das Haus und die Terrassenanlage sind nach den Entwürfen des Architekten Roeder entstanden, aber es musste ja jemanden geben, der vor Ort ein Auge auf den Baufortschritt hatte. Also, ich war eigentlich ununterbrochen auf der Baustelle. Karl Klefisch grinst: Das führte dazu, dass meine Einnahmen als selbständiger Grafiker in dem Jahr um die Hälfte eingebrochen sind, stimmts Sybille?
Ja, stimmt. Aber es haben so viele Mitglieder mitgeholfen und selbst Hand angelegt, an den Wochenenden z.B. Wände verputzt, Decken vertäfelt etc.. Alle Wege, die Zufahrt und die Terrasse hat der Bauunternehmer Rainer Bach aus Eller errichtet -kostenlos. Selbst die Materialkosten hat er übernommen. Kurt Siebrasse mit seiner Firma, Thelen Installation, war ebenfalls sehr engagiert. Und viele andere.
Aber tatsächlich brachte der Bau den Verein damals an die Grenzen der finanziellen Belastbarkeit. Es gab daher eine Sonderumlage in Höhe von 150 DM für die erwachsenen Mitglieder. Außerdem haben die Mitglieder gemeinsam das Innenmobiliar finanziert.
Und Sie beide waren viele Jahre in unterschiedlichen Funktionen im Vorstand des Vereins und auch lange Zeit Ehrenmitglieder, insgesamt gehörten Sie über 60 Jahre lang dem Verein an.
Ja, wir haben das lange gemacht. Sybille war auch eine Zeit lang als Geschäftsführerin im Vorstand. Sie hat bei Umstellung auf Computer dann sogar Kurse gemacht, um sich in Textverarbeitung zu schulen.
Ach, und wir haben so viele schöne Dinge erlebt mit dem Tennisverein.
Sie können den Tennisverein schon seit Beginn, also seit 70 Jahren.
Was macht den Verein hier so besonders?
Karl Klefisch: Schon im Gründungsbuch steht ja als besonderes Ziel die Jugendförderung und dass alle teilhaben sollen, Tennis soll nicht nur den Eliten vorbehalten sein. Und außerdem ist es auch eine Beschäftigung für die ganze Familie. Das Besondere am Tennissport ist ja, dass die ganze Familie mitmacht oder mitmachen kann. Das ist anders z.B. im Fußball. Da ist´s eher selten, dass auch die Eltern noch aktiv sind.
Auch jetzt haben wir wieder sehr viele Kinder und Jugendliche im Verein, zur Zeit sind es insgesamt etwa 90. Und es ist uns auch immer noch ein Anliegen, niemanden aus finanziellen Gründen auszuschließen. Wir freuen uns, im Verhältnis zu anderen Tennisvereinen in Düsseldorf gegenwärtig noch mit einen recht moderaten Mitgliederbeitrag auszukommen.
Also, ganz herzlichen Dank, Herr und Frau Klefisch, für Ihre Zeit, die Sie dem Club mit diesem Interview geschenkt haben. Und noch wichtiger: Ganz herzlichen Dank für Ihr Engagement für den TCF. Sie haben dem Club sehr viel gegeben und der Club hat ihnen auch viel zurückgegeben. Letzteres war Ihnen selbst hier zum Schluss auch noch einmal ganz wichtig zu sagen.