Interview mit Dieter Alt, Udo Seidenstecher und Jürgen Treiber am 19.02.2026
Ihr seid alle drei langjährige Mitglieder des Clubs, wart lange Zeit auch aktive Tennisspieler.
Jörgen, Du bist seit mehr als 60 Jahren Vereinsmitglied, die längste Zeit davon als passives Mitglied und seit kurzem Mitglied des sog. Ehrenrates des Vereins.
Dieter und Udo, Ihr beide seid ebenfalls schon viele Jahre Mitglieder des Vereins und zugleich langjährige ehemalige Vorstandsmitglieder. Udo, Du warst sogar über einen Zeitraum von insgesamt mehr als 30 Jahren dem Vorstand zugehörig. Aus diesem Grund hat Euch beide der Verein schon vor einiger Zeit zu Ehrenmitgliedern benannt.
Dieter Alt: Ich bin ganz genau seit 1997 Mitglied und bin auch erst spät zum Tennissport gekommen, kurz danach aber schon bei Medenspielen aufgetreten und später bei den Herren 50/2 eingestiegen.
Man kann also auch als Spätberufener zu uns kommen.
Dieter lacht und schaut augenzwinkernd zu Udo: Ganz genau: Im Gegensatz zu Feuerwehrleuten hatte ich noch in höherem Alter tagsüber andere Dinge zu tun wie z.B. einen zehnstunden Job.
Udo Seidenstecher: Wir kennen uns ja alle noch aus Jugendzeiten. Ich bin eigentlich – wie Dieter auch – ursprünglich Mitglied der Falken gewesen. Das Falkenheim befindet sich in Sichtweite auf der anderen Seite der Plätze. Wir hatten früher immer sehnsuchtsvoll über den Zaun geschaut und uns erst auch gar nicht getraut rüberzukommen. Ich bin letztlich seit 1980 dabei.
Und Du, Jörgen, bist eigentlich derjenige von Euch, der am längsten Mitglied ist. Schon mehr als 60 Jahre.
Ja, ich bin im Alter von 17 Jahren Mitglied geworden. Bis dahin hatte ich auch anderes zu tun. Ich musste viel zuhause helfen, im Garten zum Beispiel. Alfred und Lotte Wicke in unserer Straße (Anmerk: der Eichkatzstr. in der Siedlung Freiheit) haben die Initiative gegeben für finanziell gefördertes Jugendtraining. Sonst hätten sich das damals nicht so viele leisten können.
Udo: Ich bin beim Tennisverein angefangen als Balljunge gegen kleines Geld.
Ach, habt Ihr was dafür verdient?
Jörgen Treiber grinst: Na klar. Also so was hat man hier in der Siedlung doch noch nie umsonst gemacht.
Was waren denn die besonderen Vorkommnisse in Eurer langen Vereinszugehörigkeit?
Udo: Sicherlich ein Meilenstein war der Neubau des Clubhauses. Dabei haben damals so viele Hand angelegt, heute ist es leider mit dem Engagement für den Club etwas weniger geworden.
Jörgen Treiber: Also ich war eigentlich vor allem passives Mitglied, hatte früher gar nicht viel Gelegenheit, selbst zu spielen, weil viel gearbeitet und auch in der Familie viel mitgeholfen wurde. Aber natürlich haben wir auch als passive Mitglieder den Verein gut genutzt, zum Feiern in den Räumen, auch für die Kinder. Und für verschiedene kulturelle Aktivitäten.
Aber Du hast Dich mit Deinem Unternehmen hier ja auch immer sehr eingebracht.
Ich wollte immer, dass der Club erhalten bleibt. Meine Enkelin ist nun zum Beispiel Mitglied des Vereins, mein Sohn auch. Und meine Enkelin wäre sicher nicht dabei, wenn der Verein in unserer Familie nicht schon immer irgendwie eine Rolle gespielt hätte.
Udo: Ja, genau. Die Zugehörigkeit zum Verein wird auch in den Familien weitergegeben.
Und die wenigstens treten am Ende aus, denn man verbindet mit dem Club ja einfach schöne Zeiten. Bei mir ist auch mein Sohn Mark lange Mitglied gewesen. Und meine Frau und ich ja noch immer. Wir alle drei waren viele Jahre in verschiedenen Funktionen im Vorstand.
Für die Kinder gab es früher richtig schöne Aktivitäten. Zum Beispiel kam zu Weihnachten der Weihnachtsmann regelmäßig mit der Feuerwehrdrehleiter auf das Clubgelände reingeflogen.
Oha, besondere Verbindungen zur Feuerwehr haben das sicher möglich gemacht.
Udo grinst, ja später ging das nicht mehr, auch wegen behördlicher Auflagen. Da haben wir dann für den Auftritt eine Bühne von der Fa. Gerkens genutzt.
Dieter Alt: Für mich machten es auch immer die Events hier im Club aus. Die gemeinsamen Feiern und kulturellen Aktivitäten und alles andere.
2008 wurde ich dann angesprochen – ich weiß selbst nicht genau warum – ob ich nicht auch in den Vorstand eintreten möchte. Tatsächlich hatte ich auch schon in anderen Vereinen im Vorstand mitgewirkt. Hier habe ich dann das Amt von Daggi Pelosi als Schriftführerin übernommen. Das war in der Zeit von Prof. Dr. Rohde als erstem Vorsitzenden, später dann mit Benno Wolf als erstem Vorsitzenden. Das waren irgendwie alles besondere Persönlichkeiten.
Udo und Dieter, gab es denn etwas in Eurer gemeinsamen Vorstandszeit, was auch besonders stressig gewesen ist, Vorstandsarbeit soll ja manchmal auch anstrengend sein…
Ach doch, wir haben 2014 ja in Düsseldorf besonders unter dem Sturm Ela zu leiden gehabt. Da war auch ganz schön viel auf der Anlage kaputt gegangen, Zäune und anderes.
Und später habt Ihr unter dem ersten Vorsitzenden Bernd Grebenstein zusammen mit den anderen Vorstandsmitgliedern Mona Edelmann, Erwin Schmidt und Jessica Kleene die Plätze sanieren lassen. Das war ja auch eine richtig große Maßnahme.
Ja, das stimmt. Der Vorstand war eine tolle Clique, und wir waren uns eigentlich fast immer einig. Es kam eigentlich nie dazu, dass der erste Vorsitzende von seiner zweiten Stimme Gebrauch machen musste.
Dieter schmunzelt: Ja, und Udo war immer in Bewegung. Jeden Tag auf dem Platz. Ach, Udo ist doch heute immer noch permanent auf der Anlage.
Alle lachen miteinander: Udo kann sich halt schlecht lösen.
Jörgen Treiber: Was mir noch wichtig ist zu erwähnen: Früher haben wir im Verein auch außerhalb des Sports manche schöne kulturelle Aktivitäten gemacht. Die Vorstände haben das teilweise auch als ihre Mission verstanden. Das war für mich auch als passives Mitglied sehr interessant. Zum Beispiel haben wir einen historischen Rundgang in Neuss mitgemacht, ebenso wie wir einige Male gemeinsam im Schauspielhaus gewesen sind, beim Kölner Dom oder auch das Bergbaumuseum in Bochum besucht haben.
Und auf die Spitze getrieben haben wir das mit einer gemeinsamen Reise nach Rio de Janeiro. Alle drei lachen. Ja genau, Benno Wolf, der frühere Vorstandsvorsitzende, konnte uns günstige Reisebedingungen vermitteln.
Ach, hat sich daraus etwa Euer berüchtigter Kulturkreis entwickelt? Ihr trefft Euch ja immer noch jeden Dienstag.
Ja genau, den Kulturkreis gibt es schon sehr lange. Irgendwann spielt man halt nicht mehr aktiv Tennis, möchte sich aber weiter treffen und sich austauschen. Und wir fahren auch immer noch regelmäßig gemeinsam weg, auch wenn´s nie mehr so weit wie nach Rio ging.
Jörgen: Heutzutage nennt man das Netzwerk. Es war im Verein wie mit den Pilzen im Wald mit ganz vielen unterschiedlichen Verbindungen.
Es gibt ja auch noch andere schöne Netzwerke, zum Beispiel die Donnerstagsdamen, die sich donnerstags zunächst zum Tennis und danach zu Kaffee und Kuchen treffen. Oder die älteren Damen, die sich schon seit vielen Jahren zum Kartenspielen im Clubheim treffen. Oder aber die Herren 60, welche sich freitagabends zum Training treffen und im Anschluss immer noch gemeinsam zu Abend essen, häufig von Peter Schöllgen zubereitet. Manchmal läuft dann noch Fußballbundesliga.
Udo: Ach, uns allen ist der Club irgendwie ans Herz gewachsen. Er gibt viel zurück.
Was würdet Ihr dem Club denn für die nächsten 70 Jahre wünschen? Wie soll er aus Eurer Sicht im Jahr 2096 aussehen?
Dieter Alt: Ich wünsche dem Club, dass es harmonisch zugeht und dass alle gut zusammenhalten. Und natürlich sportlichen Erfolg. So wie es in der Vergangenheit schon war, in den 80´gern und 90 ´gern und noch früher - so viele schöne Stunden wie wir sie hier erlebt haben wünsche ich auch den Jüngeren. Die Mannschaften sollen harmonisch miteinander sein, viele Mannschaften soll der Verein haben, auch im Jugendbereich. Denn die Jungen übernehmen dann später wieder und erinnern sich daran, wie schön die Kindheit auf der Anlage war. Und es geht ja auch darum, dass man den Staffelstab später an die heute Jungen weitergeben kann, damit der Verein noch viele Jahrzehnte weiterbestehen wird.
Dem schließen sich alle an.
Das Interview führte das Vorstandsmitglied Chris Patrick Kruse am 19.02.2026.